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Captchas sind veraltet, wenn Spammer Menschen in der Dritten Welt bezahlen, diese zu lösen

Konfrontiert mit strengeren Sicherheitsmaßnahmen im Internet, haben einige Spammer begonnen das zu tun, was in der Welt der globalisierten Wirtschaft schon lange Usus ist: sie lagern Arbeit aus (Outsourcing).

Outsourcing monotoner Aufgaben für geringe Bezahlung

Für besonders erfolgreiche Spammer lohnt es sich scheinbar, Menschen in Indien, Bangladesch, China und anderen Entwicklungsländern zu bezahlen, die einfache Tests wie Captchas lösen. Captchas fordern Web-Benutzer an verschiedenen Stellen, häufig vor Kontakt-Formularen oder bei Kommentar-Funktionen dazu auf, eine bestimmte Zahlen- oder Wortfolge einzugeben, um sicherzustellen, dass sie tatsächlich Menschen und nicht etwa automatisierte Bots sind.

Momentan beläuft sich die Bezahlung für das Lösen von Captchas dabei auf 0,8 – 1,20 US$ pro gelöste 1000 Captchas.

Professionelle Organisation

Luis von Ahn, Informatik-Professor an der Carnegie Mellon Universität, der ein Pionier bei der Entwicklung von Captchas ist, schätzt, dass Tausende von Menschen in Entwicklungsländern, vor allem in Asien, für die Lösung dieser “Rätsel” bezahlt werden. Wie in jedem erfolgreichen Geschäftsfeld, werden die Zusammenhänge zwischen Auftraggeber und ausführendem Personal immer komplexer: Makler und Vermittler stellen die Kontakte her, fügte er hinzu.

Geringe Bezahlung, attraktive Arbeit

Das stundenlange Sitzen vor einem Computer-Bildschirm und das unentwegte Entziffern von Captchas und das Absenden der angehängten Formulare ist harte, monotone Arbeit. Außerdem ist die Bezahlung, verglichen mit Arbeitsplätzen in der traditionellen Dateneingabe, gering.

Dennoch erscheint es attraktiv genug, um junge Menschen in Entwicklungsländern, wo sogar 0,5 US-$ pro Stunde ein anständiger Lohn sind, zu locken. Angelernte männlichen Landarbeiter verdienen rund 2 US-$ pro Tag in vielen Teilen Indiens.

Ariful Shaon Islam, ein 20-jähriger College-Studentin in Bangladesh, sagt, er beschäftige ein Team aus 30 anderen Studenten, die für ihn arbeiten und Captchas ausfüllen (der Begriff ist ein Akronym für “Vollautomatischer öffentlicher Turing-Test, um Computer und Menschen zu unterscheiden”).

Er sagt, dass die Studenten in der Regel zweieinhalb bis drei Stunden am Tag von zuhause aus arbeiten und mindestens 6 US-$ fährt alle 15 Tage verdienen – das Einkommen steigt, je schneller und genauer sie arbeiten. Es ist nicht viel Geld, räumt er ein, aber es erfordert wenig Aufwand und kann helfen, ihr Taschengeld zu ergänzen.

Vermittlung der Aufträge über Online-Plattformen

Mr. Shaon, der per Internet-Chat mit einem Reporter spricht, erklärt: “Die Aufträge erhalten wir von Webseiten, auf denen z.B. auch andere Web-Dienstleistungen ausgelagert und angeboten werden.” Die wahre Identität seiner Auftraggeber kenne er nicht, auch habe er kein Interesse, dies herauszufinden, denn, so fügt er hinzu: “Wenn ich meine Auftraggeber nach ihrem Business frage, besteht eine Chance nicht bezahlt zu werden”.

Ein anderer Betreiber in Bangladesh, der bekannt ist unter dem Benutzername “Workcaptcha”, gibt auf Freelancer.com auf seiner Profil-Seite an, dass seine Firma 30 Computer hat – eine Steigerung um 25 Geräte innerhalb eines Jahres. Drei Schichten von Arbeitern erlauben den Betrieb 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche aufrecht zu erhalten. In diesem Geschäftsfeld hat Workcaptcha 197 Bewertungen von anderen Nutzern, die überwiegende Mehrheit von ihnen positiv.

Es war nicht möglich, die Ansagen von Workcaptcha und Mr. Shaon nachzuprüfen, aber Herr von Ahn sagte, es sei klar, dass Bangladesch mittlerweile zu einem Drehkreuz für bezahlte Captchas geworden war, ähnlich wie China und Indien. Die ausgefüllten Captchas helfen Spammern neue Online-Konten zu eröffnen, um Junk-E-Mails zu senden, Backlinks aufzubauen oder ähnliche Werbemaßnahmen zu ergreifen.

Google: Auf andere Sicherungsmethoden zurückgreifen

Führungskräfte bei Internet-Firmen wie Google sagen, dass sie sich keine Sorgen darüber machen, dass eine Menge Leute eine Menge Geld an eine Menge anderer Leute zahlen um Captchas entschlüsseln zu lassen, weil Captchas nur eine Möglichkeit seien, die eigene Webseite vor unbefugtem Zugriff zu schützen. In Frage kämen z.B. Bestätigungscodes, die als SMS versandt werden und separat eingegeben werden müssen.

“Gegen menschliche Captcha-Löser kann man nichts machen”, sagt Hughes Macduff, ein Engineering Director bei Google. “Unser Ziel ist es, die Massen-Kontoerstellung weniger attraktiv für Spammer zu machen und die Tatsache, dass Spammer Menschen dafür bezahlen, Captchas zu lösen, belegt, dass das Tool funktioniert.”

Das Lösen von Captchas ist unproduktiv und lohnt sich nur selten

Herr von Ahn erklärt, dass die Bezahlung von Menschen für das Ausfüllen von Captchas, so billig das auch erst einmal erscheinen mag, nur dann Sinn macht, wenn man als Spammer einen Weg gefunden hat, wirklich Geld zu verdienen. “Die Anmietung von Captcha-lösenden Indern lohnt sich erst dann, wenn man bereits profitabel arbeitet”, so Herr von Ahn.

Diese Auffassung wurde von einem leitenden Angestellten eines südindischen Outsourcing-Unternehmen auf seiner Website bestätigt. Der Angestellte, Dileep Paveri, sagt, seine Firma habe aufgehört, den Dienst anzubieten, weil er nicht profitabel sei.

Seine Firma, SBL, die in Cochin, Indien sitzt, hat über 200 Dollar pro Monat pro angemietetem Arbeiter verdient um die Captchas im Auftrag eines Kunden aus Sri Lanka zu lösen.

“Wir haben festgestellt, dass es nicht lohnt,” so Herr Paveri. “Außerdem”, fügt er hinzu, “läßt nach einiger Zeit die Produktivität der Mitarbeiter nach – sie verlieren das Interesse.”

via NY Times



Von in Blog am 26. April 2010 mit 3 Kommentaren »

  1. Ich lebe noch – mit Blitzern und Kostenrechnungen – Bett, Sache, Spam, Beschreibung, Gegenseite, Berlin – Data Travelers-Blog sagte am 13. August 2010 #

    [...] durfte ich vernehmen, dass man nun arme Menschen für einen Dumping-Lohn ausnutzt, dass die Captchas (ihr wisst schon, diese kryptischen Zahlen Buchstaben Kombinationen bei [...]

  2. Andreas sagte am 21. Mai 2011 #

    wie kann ich mein

  3. Sind Captchas ein nützlicher Schutz oder eher eine Qual? – Pressengers sagte am 11. Februar 2014 #

    [...] bezahlt, Captchas zu lösen – mickrige 0,80 bis 1,20 USD gibt es für 1000 gelöste Captchas. (Quelle) Doch der Lohn scheint attraktiv genug zu sein, dass Menschen stundenlang nichts anderes tun, als [...]


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