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Davon, wie Twitter das tägliche Leben beeinflusst oder: die Abhängigkeit des modernen Menschen.

Gestern war so ein Tag. So ein Tag, der einfach mal aufzeigt, was uns fehlt, wenn es fehlt. Die DoS-Attacke auf Twitter konnte den Dienst wenige Stunde lahmlegen und bewegte sogar den Chef höchstpersönlich zu einem Statement. Biz Stone verärgert über die Attacke:

We had a lot of things we’d rather be doing this morning, defending against a DoS wasn’t one of them.

Im Endeffekt war das alles gar nicht weiter schlimm. Nach einigen Stunden harter Arbeit war Twitter wieder online und was blieb war ein trockenes Abschluß-Statement nach dem Motto:

Wir wissen, dass noch viel harte Arbeit vor uns liegt, um solche Attacken in Zukunft besser überstehen zu können.

Auch Facebook wurde schon scheinbar angegriffen – das massenweise Anlegen von hunderten Benutzerprofilen parallel konnte die Server aber nur partiell bezwingen. Und so bleibt nichts als ein fader Nachgeschmack.

Wenn Datenströme versiegen

Denn: was wäre denn eigentlich, wenn nur eine der Spekulationen wahr wäre und tatsächlich der KGB versucht hätte einen georgischen Blogger mundtot zu machen? Was wäre, wenn plötzlich private oder staatliche Stellen Medien, die sie nicht auf offiziellem Wege blocken können (Iran’s Twitter Revolution), versuchen technisch auszuschalten?

In einer Zeit in der sich mehr und mehr Menschen darauf verlassen über einzelne Dienste an das aktuelle Geschehen angeschloßen zu sein, könnte so ein Eingreifen desaströse Folgen haben. Um zu unterstreichen, um was es mir bei diesem Gedankengang geht, folgendes Bild.

Entwicklung der Themen(-quellen) von Blogosphären

Entwicklung der Themen(-quellen) von Blogosphären

Für den Menschen als im Allgemeinen sortierfreudiges Wesen stellen die aktuellen Entwicklungen hervorragende Erleichterungen dar. Ich merks ja an mir selbst: statt täglich zig Blogs durchzuklicken, dazu noch die verschiedenen Online-Portale von Print-Zeitungen und dann noch Social-Networks nach News abzuklappern, klinkt man sich in Twitter ein und konsumiert in aller Seelenruhe, was einem so geliefert wird, was andere Menschen interessant, sehens- und lesenswert finden. Ist ja an sich auch eine gute Sache, immerhin kriegt man so das geliefert, was einen wirklich interessiert.

Die Abhängigkeit nimmt zu

Und dennoch: je abhängiger sich Individuen von einzelnen Quellen machen, je abhängiger sich ganze Gruppen von diesen Quellen machen, desto leichter fällt es, diese Gruppen von ihren Informationsquellen abzuschneiden. Was dann passiert, wäre nicht auszudenken – aber der gestrige Tag konnte schon mal einen Vorgeschmack liefern. Kurze Zeit nach der Attacke auf Twitter und andere Dienste wurde getweetet:

Ich fühlte mich wie abgeschnitten von der Welt und dem Geschehen – als würde das Blut nicht mehr fließen zwischen Herz und Hirn.

Diese Aussage an sich mag bedenklich erscheinen, sie ist vielleicht ironisch gemeint und biologisch sicher nicht korrekt. Aber sie zeigt, welchen Einfluß Twitter als Informationsquelle hat und was passiert, wenn es fehlt.

Ausweg Blogosphäre

Das hier soll kein Aufruf sein, sich nicht auf einzelne, lebens-erleichternde Medien und Dienste zu verlassen – es soll ein Aufruf sein auch Informationsquellen zu diversifizieren. Sozusagen eine Lobhymne an eine vielseitige Blogosphäre, die in einem auch dann noch Informationsfluß ermöglicht, wenn große Dienste nicht verfügbar sind. Eine Lobhymne an die vielen privaten oder semi-professionellen “Informationsdienstleister” die sich in der heutigen Welt entwickeln und ihren Beitrag zu einer informierten, reflektierten und gut recherchierten Diskussion zu einzelnen Themen leisten.



Von in Blog am 7. August 2009 mit den Schlagwörtern: , , , , , mit einem Kommentar »

  1. XY sagte am 7. August 2009 #

    Mhm, das stimmt irgendwie schon nachdenklich. Zum Glück entwickelt sich die deutsche (politische) Blogosphäre ja so langsam und auch die Print-Medien stellen zunehmend auf ihre Online-Präsenzen ab.


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