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Wie eine bedeutende Schwäche gleichzeitig eine große Stärke sein kann.

Ich habe gerade den Film “Eine verhängnisvolle Affäre” mit Michael Douglas irgendwie zufällig gesehen und dabei eine – für die entsprechende Szene evidente – Feststellung gemacht. Die größte Schwäche unseres Rechtsstaats ist gleichzeitig seine größte Stärke.

Kurz zum Film

Hier eine kurze Beschreibung, um was es in dem Film geht, Quelle wikipedia:

Zusammen mit Frau und Tochter lebt der New Yorker Anwalt Dan Gallagher ein glückliches Familienleben, bis er Alex Forrest kennenlernt und sich auf eine sexuelle Affäre mit ihr einlässt. Gallagher will über den Seitensprung hinaus keine dauerhafte Bindung eingehen, während sich die Perspektive für Forrest ganz anders darstellt. Selbst klare Worte Gallaghers können sie nicht davon abhalten, ihn immer obsessiver zu begehren und unter Druck zu setzen. Dazu gehören unter anderem ein Selbstmordversuch, die Behauptung, von Gallagher ein Kind zu erwarten, und die Entführung seiner Tochter. Schließlich kommt es in der Gallagherschen Wohnung zum actiongeladenen Showdown, an dessen Ende Forrest von Gallaghers Frau erschossen wird.

Der Aufhänger des Gedankens

Frau ist verrückt, Mann hat unüberlegten One-Night-Stand mit verrückter Frau, von deren Verrücktheit er (noch) nichts weiß. Frau verfolgt Mann daraufhin, weil sie sich in ihn verguckt. Gaukelt vor schwanger zu sein, läßt pausenlos Telefone klingeln, macht sich mehrerer Sachbeschädigungen strafbar – das volle Stalker’sche Programm halt. Mann versucht verzweifelt über die Polizei Hilfe zu erhalten, welcher aber die Hände gebunden sind, da Mann keine Beweise für Aktionismus der Frau hat.

(Disclaimer: Ob Mann oder Frau sei mal dahingestellt. Hier geht es nicht drum zu tun, als wären Frauen generell verrückte Stalkerinnen – genauso könnte in diesem Gedankengang der Mann der Stalker und die Frau die Verfolgte sein, es könnte sich auch um Schwule oder Lesben handeln, verrückt oder nicht. Hier will ich schon politisch korrekt bleiben.)

Der Knackpunkt im Endeffekt

Das Problem ist, dass der Mann am Ende nur über die, im Volksmund, Notwehr die fortwährenden Angriffe der Frau abwehren kann – zum Unglück der Frau endgültig (s.o.).

Darin manifestiert sich eine grundsätzliche Schwäche unseres Rechtsstaats dergestalt, dass, kurz gesagt, “immer erst etwas passieren muss, bevor der Staat aktiv wird”. Vorliegend konnte die Polizei solange nicht agieren, wie die Frau immer nur im Hintergrund ohne beobachtet zu werden die Fäden zog. Keine Beweise, keine Anklage oder wenn überhaupt Anklage, dann unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils (Unschuldsvermutung, nicht wahr, SpOn?, Top-Thema auch hier).

Eigentlich wäre das jetzt einmal ein guter Ansatzpunkt für sinnvolle Gesetze, könnte man meinen. Verdachtsunabhängige Überwachung von Privatpersonen, Videoüberwachung von Problemfamilien zur Gewalt-Prävention und so weiter. Alles nette Gedanken, um einfach mal feucht durchzuwischen.

Wer die Ironie verstanden hat, ist auch in der Lage weiterzulesen, denn: offenbart sich in der Schwäche des Rechtsstaat nicht auch seine größte Stärke, die es selbstverständlich zu bewahren gilt? Wäre die Gefahr einer mißbräuchlichen Verwendung von staatlichen Instrumenten zur Prävention jeglicher zwischenmenschlicher Schicksale nicht ungleich höher als die Gefahr, dass, sozusagen als Opfer für den Rechtsstaat, einzelne Menschen diese Schicksale nun Mal ertragen müßen – bevor der Staat eingreift?

Auch wenn ich mich im Moment des Schreibens emotional kalt und berechnend anhören mag, so bin ich mir doch durchaus bewußt, dass auch ich eines Tages zum Beispiel der Mann aus der Geschichte sein könnte, ohne staatliche Hilfe gegen die Bedrohung durch Dritte, immer darauf wartend, dass es zum Showdown kommt, zum konkreten Angriff oder der nachweisbaren Tat, der/die mir dann die Möglichkeit verschafft, den Staat einzuschalten.

Ja, dessen bin ich mir bewußt. Diesem ständig schwebenden Damoklesschwert – dem Preis der Freiheit, dem Preis für einen Rechtsstaat wie den unseren mit kleinen Schwächen, aber großen Stärken. Den es zu bewahren gilt, selbst wenn das bedeutet, dass man Opfer bringen muss – statt diese nur zu verlangen.



Von in Blog am 11. August 2009 mit den Schlagwörtern: , , , , , mit einem Kommentar »

  1. blogomatic.de » Blog-Archiv » Davon, wie die Dummheit Erfolg in der Politik verursacht. sagte am 21. August 2009 #

    [...] Den ganzen Artikel zum Thema gibt’s auf zeit.de: Die Dummheitsvermutung (angelehnt an, na, wer kommt drauf?) [...]


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